Lehre

Entwerfen lernen

 

„Architektur beginnt, wenn zwei Backsteine sorgfältig zusammengesetzt werden.“ Jene Sorgfalt, die Mies van der Rohe meint, ist nicht nur handwerklicher, sondern auch gedanklicher Art. Mies vergleicht die Architektur mit einer Sprache, die Disziplin erfordert. Wie die Sprache ermöglicht die Architektur Verständnis und Verständigung. Sprechen muss man lernen. Architektur ebenso.

Neben das Verstehen tritt das Erleben. Architektur erlaubt Begreifen im doppelten Wortsinn: sie kann verstandesmäßig nachvollzogen, aber auch leiblich erfahren werden. Gebäude, die nur Erlebnis bieten, erschöpfen sich schnell im Spektakulären; ebenso bleiben solche, die sich zwar erklären, uns aber nicht berühren, hohle Gedankenkonstrukte.

Das bewusste Fügen der Teile zu einem Ganzen ist ein kultureller Akt, der praktisches Wissen voraussetzt. Beim Entwerfen geht es aber auch um die schöpferische Auseinandersetzung mit dem schon Vorhandenen, am konkreten Ort wie im kulturellen Raum – um Weiterbauen im wörtlichen und im übertragenen Sinne. Es geht darum, Beziehungen einzugehen, nach außen, in die Stadt, ihre Geschichte und in die Arsenale der Architektur. Kontext wird nicht nur vorgefunden, er kann auch neu ersonnen werden. Architektur ist, um es mit O.M. Ungers zu sagen, „die aktive Kunst, Bindungen zu schaffen“.

Die elementaren Mittel des Bauens sind Material und Raum. Der Gedanke lässt aus diesen Architektur werden. Uns interessieren aber nicht die reine Idee, das totale Konstrukt oder der absolute Raum an sich. Es geht uns um vielschichtige, beziehungsreiche Entwürfe – um Architekturen, die das Allgemeine im Besonderen und das Besondere im Allgemeinen entdecken. Dies bedarf eines iterativen Prozesses, während dessen sich die einzelnen Entwurfsentscheidungen nach und nach einem Leitmotiv unterordnen und die Teile sich zu einem Ganzen fügen.