Fachgebiet Entwerfen und industrielle Methoden der Hochbaukonstruktion

Das Fachgebiet „Entwerfen und industrielle Methoden der Hochbaukonstruktion“ gehört zu den drei Fachgebieten der Konstruktion.

Ein Schwerpunkt der Lehre im Bachelorstudium ist die Vermittlung der Grundlagen des Massivbaus sowie der dazugehörigen strukturellen Möglichkeiten und Gesetzmäßigkeiten.

Der zweite Schwerpunkt ist die Lehre im Masterstudium, hier tragen alle Lehrformate zur Entwicklung einer zukunftsfähigen und dauerhaften Architektur im Zeitalter von industrieller Fertigung und Digitalisierung bei.

Denn mittlerweile werden nahezu alle gebauten Strukturen aus von der Industrie hergestellten Bauprodukten bzw. industriell bearbeiteten Bauteilen errichtet. Die Industrie prägt maßgeblich die Gestalt unserer gebauten Welt. Eine von Mies van der Rohe 1924 geforderte Industrialisierung des Bauwesens ist heute Realität. Er verglich diese Epoche prägende Entwicklung mit der Bedeutung der „religiösen Bewegung im Mittelalter“ (1). Die Industrialisierung des Bauwesens hat jedoch nicht wie von Mies van der Rohe prognostiziert dazu geführt, dass sich „die sozialen, wirtschaftlichen, technischen und auch künstlerischen Fragen leicht lösen lassen“ (2). Solche Fragen müssen weiterhin von den Architekt*innen bearbeitet werden, auch wenn die Industrie und renditeorientierte Investoren teilweise suggerieren, dass es mit den richtigen Produkten auch die eine richtige Bauweise gibt.

Das Bauen ist schneller und leichter geworden, der maßgeschneiderte Bezug zum Kontext ist jedoch oft verloren gegangen. Viele Ressourcen werden einfach verbraucht und nicht gleichwertig wiederverwertet. Häuser sollten keine Industrieprodukte sein, aber sie sind aus Industrieprodukten gefügt. Die Industrialisierung des Bauwesens ist unser Werkzeug, das wir sinnvoll bedienen müssen und zwar in mühsamer handwerklicher Arbeit.

Mit einem romantischen und zugleich realistischen Enthusiasmus möchten wir uns industrielle Methoden zunutze machen, um damit einen angemessenen architektonischen Ausdruck zu erreichen. Dabei fordern wir eine Architektur ohne stilistische Vorgaben, damit die Studierenden eigenständige Antworten finden können. Die Architektur muss sich jedoch im Spannungsfeld zwischen dem historisch Vertrauten und dem industriell Gewöhnlichen positionieren.

Die Vorgabe ist dabei ein respektvolles Miteinander der Bauwerke untereinander, sowie ein respektvoller Umgang mit den endlichen Ressourcen. Über eine Verankerung von Architektur in einer kontextuellen Identität, z.B. über das Material, die Interpretation eines Details oder die Typologie soll dem Neuen eine bauliche Eigenart und eine damit verbundene Langlebigkeit gegeben werden.

(1) Mies van der Rohe, Ludwig: Industrielles Bauen. In G: Zeitschrift für elementare Gestaltung, Berlin, Ausgabe 3, Juni 1924 , S.8-10

(2) Schädlich, Christian: Ludwig Mies van der Rohe, Ernst May und der wissenschaftlich-technische Fortschritt im Neuen Bauen der 20er Jahre. In: Wissenschaftliche Zeitschrift Hochschule für Architektur und Bauwesen Weimar, Band 33, 1987, S.201-203

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